Gutes Matching bringt Mentoren
BlackCam: „Angels Projekt auf Schleichfahrt – Gründerinnovation BlackCam“

Business Angels für Jungunternehmer und Gründer

Gutes Matching bringt Mentoren

Text: Robert Schmidt

Einen Schutzengel zu haben, der einen auf allen Wegen behütet, steht zwar sprichwörtlich für Glück oder Erfolg, aber gesichtet wurde noch keiner. Business Angels kann man sehen, ansprechen und um Rat bitten. Allerdings nicht so ohne Weiteres. Um ihren Beistand zu erlangen, muss Jungunternehmerin oder Gründerin ins Matching. Wirtschaftswunder war bei einem dabei.

Es sieht wie ein ganz normales Clubtreffen aus. Rund 50 gesetzte, seriöse Herren und Damen, aber auch jüngere, wohl eher als Kreative erfolgreiche Herrschaften, stehen in Grüppchen mit einem Gläschen in der Hand und plaudern. „Kapitalisierung“, „Alleinstellungsmerkmal“, „Wertschöpfung“ – beim Small Talk geht’s offensichtlich nicht um Beiläufiges. Kaum räuspert sich ein Vorstand, eilen die Gäste zu den Stühlen, legen Stifte und Papier bereit, schärfen die Sinne. Das Matching beginnt.


Wen die Business Angels Berlin-Brandenburg zum Matching laden, der muss schon was vorzuweisen und in der Regel einiges hinter sich haben. Bevor junge Gründerinnen oder Unternehmer Ideen und Unternehmungen präsentieren, haben ausgewählte Angels schon Pläne und Aspiranten unter die Lupe genommen. Zum Matching, der Bewerbung um die Gunst der Business Angels, kann man sich anmelden oder wird eingeladen. Damit das Ganze effektiv und offen, ehrlich und offensiv laufen kann, ist es nicht öffentlich. Doch die Business Angels scheuen nicht die Öffentlichkeit.


„Wir helfen jungen innovativen Leuten auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen. Bevor sich aus unserem Kreis erfahrener Top-Manager oder erfolgreicher Unternehmer, Angels finden, die den Kandidaten zur Seite stehen, gilt es, Planungen und Konzepte schonungslos abzuklopfen. Uns werden viele fantastische Ideen präsentiert, aber ob die auch am Markt bestehen können, der richtige Fahrplan vorliegt, muss kritisch hinterfragt werden. Das ist für die Kandidaten manchmal auch hart, aber immer konstruktiv und gehört nun mal nicht auf den Marktplatz, auch wenn die Produkte genau dorthin sollen“, umschreibt schmunzelnd Bernhard Böhm, Vorstand der Business Angels Berlin Brandenburg, ganz offen die Regeln des nichtöffentlichen Matchings.
An diesem Abend haben es zwei junge Unternehmen in der Hand, Business Angels zu gewinnen. Gestenreich präsentiert sich dreipuls. Hier gehört der richtige Fingerzeig zum Produkt. Berührungslos steuern Finger Lichtsysteme. Beleuchtung auf ganzer Breite eines Demonstrationsfluters oder punktuell, wenn Geschäftsführer Karsten Reichel die Zeigefinger beider Hände aufeinander zu bewegt – und der Lichtfächer dabei schmaler wird. Zustimmendes Nicken im Saal, aber auch skeptische Blicke – „Ah“ oder „Oh“ erntet man bei Business Angels nicht, denn hier wird schon nachgerechnet, ob der präsentierte Finanzplan stichhaltig oder die Marktprognose treffend ist.


Auch die zweite Präsentation setzt die Business Angels umfassend ins Bild. Sprichwörtlich. Denn BlackCam ist nicht nur der Name des Unternehmens und der Marke, sondern tatsächlich eine schwarze Minikamera auf Schienen. Fast unhörbar gleitet sie in der Mitte der langen Matching-Tafel an den Angels vorbei, projiziert deren Abbilder auf einen großen Monitor. Sie ist unentwegt in Bewegung, schwenkt ihren Kopf, zoomt, filmt, während die Entwickler und Gründer Thomas Janze und Jan Karabasz bei der Matching-Präsentation über Einsatzmöglichkeiten, Kapitalbedarf und erfolgreiche Referenzprojekte sprechen.  


In 20 Minuten müssen Gründer beim Matching einen ersten nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Dann kommen Fragen. „Wo soll produziert werden?“, „Gibt es schon Handels- oder Kooperationspartner?“, „Sind Produkte und Leistungen skalierbar oder will man sich auf eine Kernkompetenz fokussieren?“ Die Business Angels sind interessiert, aber auch diszipliniert. Nach rund 10 Minuten ist die Fragerunde vorbei. Dann stecken die Angels allein die Köpfe zusammen, die Aspiranten müssen sich gedulden. „Wer eine gute, marktfähige Idee oder ein Produkt hat, wer davon überzeugt ist, den Markt richtig eingeschätzt und ein tragfähiges Geschäftsmodell zu haben, der muss das Ganze auch auf den Punkt bringen können. Es geht um einen ersten Überblick, die intensive Beschäftigung mit Gründern und Kreationen kommt danach. Uns geht es auch um Persönlichkeiten, die nicht nur von ihrer Unternehmung überzeugt sind, sondern auch vermitteln, dass sie das Ganze seriös durchdacht, kalkuliert haben und vor allem, dass sie auch die nötige Power haben, den Antritt zu wagen und genügend Ausdauer, um durchzuhalten“, so Business-Angels-Vorstand Wolf Kempert.


Nach interner Runde erfahren die Matching-Kandidaten das Ergebnis. Offen und kritisch. Die Angels legen die Finger treffsicher auf Punkte, an denen Konzepte noch Lücken haben, wo Marktprognosen als zu euphorisch oder Vermarktungspläne als zu breit gefächert eingeschätzt werden. Doch bei Kritik bleibt es nicht. Sowohl dreipuls als auch BlackCam haben Potential – die Business Angels werden sie unterstützen. Dazu gibt es Namen der Angels, die sich mit Kontakten, Know-how und Kompetenz als Mentoren anbieten. Sie machen dann beim Get-together und fachlichen Smalltalk mit den Matching-Kandidaten schon erste Folgetermine fest.


„Wir haben Manager in unseren Reihen, die he-rausragenden technischen Sachverstand, aber auch Vertriebs- und Organisationsexpertise sowie weitverzweigte Kontakte haben. Oft bringt schon das Öffnen von Türen, die Vermittlung von Gesprächen oder ein gezielter Denkanstoß Gründer oder Jungunternehmerinnen weiter. Da es aber ohne Kapital nicht geht, vernetzen wir die Gründer auch mit unserem Partner, der Investitionsbank Berlin, und anderen Banken, prüfen Fördermöglichkeiten des Landes oder ob wir mit unserem eigenen Fonds mitgehen. Angels steuern aber auch privates Kapital bei, wenn sie vom Erfolg der Unternehmungen überzeugt sind“, skizziert Business-Angels-Vorstand Bernd Monitor die Schritte nach der Matching-Präsentation. Zeit für ein Gläschen oder Häppchen ist für die Kandidaten am Matching-Abend zwar auch, aber entspannt zurücklehnen können sie sich nicht. Ist das Interesse der Business Angels geweckt, wollen sie’s auch wissen. Zig Details schon an diesem Abend, damit die Unternehmungen nachhaltig umgesetzt und erfolgreich werden – als mittelfristiges Ziel.


Mehr Informationen unter: www.bacb.de