Ding Dong … die Beraterin ist da …
Fröhlich, kitschig, bunt. So präsentiert Tupper die heile Welt der Direktvermarktung.

Direktvertrieb nimmt immer mehr zu

Ding Dong … die Beraterin ist da …

Text: Martina Reckermann

Tupperware oder Avon Kosmetik – seit Jahren stehen sie für Homeshopping mit Beratung. Der Direktvertrieb ist eine gute Möglichkeit, einen Job zu finden, und bringt den Unternehmen Millionenumsätze. Seit einigen Jahren drängen auch andere Branchen auf diesen Markt – meist mit Erfolg.

„Dann haben wir da noch die kleine Raupe Nimmersatt.“ Ausgelassenes Gekicher und Bemerkungen wie: „Ach, ist der süß“, folgen dieser Ankündigung. Wer jetzt an eine Kinderbuchvorstellung denkt, irrt, denn es handelt sich um eine Sex-Toys-Party, bei der eine Dildofee die neuesten Vibratoren präsentiert. Gut gelaunt wird viel bestellt – ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Mehr als 2.300 Dildofeen schweben durch Deutschlands Wohnzimmer, seitdem Petra Zwanziger vor fast zehn Jahren ihre Firma Fun-Concepts gründete. „Eigentlich wollte ich mich in einem Sexshop umsehen, habe mich aber nicht getraut. So kam ich auf die Idee mit einer Art Tupper-Party für Sex-Toys. Bei meiner ersten kamen 19 Frauen, die alle bestellten.“ Der Rest ist Geschichte. In nur einem halben Jahr baute die 42-Jährige ihr Ein-Frau-Imperium in Wolfenbüttel auf, das 2009 einen Jahresumsatz von 12 Millionen Euro hatte. Das ist ein Beispiel für Firmen, die trotz Wirtschaftskrise in einer neuen Nische Erfolg haben. 

Ein anderes ist die DSE in Berlin. Seit 2002 auf dem Energie-Markt, konnte sie 2009 einen Umsatz von 5 Millionen Euro verbuchen. „Wir bieten nicht nur eine individuelle Energieberatung bei den Kunden zu Hause, sondern auch einen kompletten Einbau und Wartungsservice für die neuen Anlagen“, sagt Geschäftsführer Andreas Goldbohm. Auf persönliche Beratung setzt auch Danielle Declercq. Viele Jahre hat die Kölnerin bundesweite Dessous-Partys veranstaltet, bis es sich nicht mehr lohnte. „Wenn alle daran verdienen wollen, muss man die Ware zu teuer verkaufen, das habe ich nicht gewollt. Deshalb veranstalte ich jetzt Partys in meinem Kölner Laden mit viel Beratung, Sekt und Tapas.“

Mit einem weltweiten Umsatz von 3,7 Milliarden US-Dollar und 2,1 Millionen Vertriebspartnern spielt das Nahrungsmittelergänzungs-Unternehmen „Herbalife“ in einer Liga, in der wohl alle Beteiligten gewinnen, seit Kurzem sogar die Bundesliga, erklärt Annekathrin Menger vom „Herbalife“-Pressebüro. „Wir sind offizieller Partner des FC Schalke 04 für Sporternährung. Zu unserer Produktpalette gehören außerdem Mittel zur Gewichtskontrolle und Körperpflege.“

Letzterer nimmt sich auch das Traditionsunternehmen Avon seit fast 125 Jahren an. Begonnen hatte alles mit einem New Yorker Buchhändler, der an der Haustür als Gratiszugabe Parfüm verteilte. Als er merkte, dass seine Düfte beliebter waren als die Lektüre, war eine Geschäftsidee geboren. Seit 1959 kommen Avon-Beraterinnen auch in Deutschland ins Haus und verkaufen Kosmetikartikel jeglicher Art – mit nicht nachlassendem Erfolg, wie 180 Millionen Euro Umsatz zeigen. „In den letzten Jahren haben wir uns in sozialen Bereichen wie der Bekämpfung von Brustkrebs und häuslicher Gewalt stark engagiert und viel gespendet,“ sagt Konzernsprecher Werner Köller. Zu den Neuerungen gehörten auch Düfte, die mit internationalen Stars kreiert worden seien, und rund 100 männliche Berater in der ehemaligen Frauendomäne.

Auf die müssen auch die Besucher von Tupper-Partys nicht mehr verzichten. Das 1946 in Amerika gegründete Unternehmen, das mit einem weltweiten Umsatz von rund 2,2 Milliarden US-Dollar seine Wunderschüsseln seit 1962 auch in deutsche Küchen bringt, beschäftigt seit ein paar Jahren auch Berater. Einer von ihnen ist Daniel Schwandt aus Ulm. Seit vier Jahren führt der Marketing-Student Tupperartikel vor und erzählt lächelnd, wie er auf Frauen wirkt. „Am Anfang sind viele noch neugierig, erstaunt oder sogar geschockt. Wenn ich erst meine Spätzle Carbonara zubereitet habe, sind sie total begeistert.“ Der Job ist für den 25-Jährigen ideal: freie Zeiteinteilung, ein Firmenwagen und viel Spaß bei der Arbeit, der noch größer geworden ist, seitdem sich die Tupper-Party zum Event-Cooking gewandelt hat. Auch Kommunikationschef Maik Scheifele schwärmt: „Die Gastgeberinnen suchen sich ein Motto wie „Rund um die Mikrowelle“ oder „Kochen für Idioten“ aus, und unsere Berater präsentieren ein 3-Gänge-Menü. Wir verkaufen nicht nur luft- und wasserdichte Plastikbehälter, sondern auch den Mehrwert, den man mit diesem Produkt hat.“

 

Wer Berater/in werden möchte, sollte sich zuerst informieren:

     Informationen von der IHK Berlin
     www.lieberzuhause.de
     www.bundesverband-direktvertrieb.de, Tel. 030 23635683
     www.dildofee.de, Tel. 05331 855148
     www.dse-vertrieb.de
     www.herbalife.de
     www.avon.de
     www.tupperware.de
     Dessous Danielle, Tel. 0221 7404404