Immer mehr Unternehmer wollen ihren Kunden den Einkauf erleichtern
„Bitte nicht aussteigen!“
Zeitmangel, keine Parkplätze, Bequemlichkeit – es gibt viele Gründe für Drive-In-Shops. Vor ein paar Jahren noch eine McDonalds & Co.-Domäne, setzen jetzt auch andere Geschäftsleute auf diesen Service. Martina Reckermann mit Beispielen.
Rund 1.400 Autofahrer zieht es pro Woche zum „Cahoona“ an die Leipziger Straße in Mitte. Seit rund einem Jahr bekommt man hier mit einem „Aloha“ seinen Espresso aus feinsten hawaiianischen Kona-Bohnen. Bei einem Amerika-Urlaub hatte Eigentümer Gunter Wakulat die Geschäftsidee. „Warum nicht einen amerikanischen Drive-in-Coffeshop in Berlin eröffnen? „Jahrelang habe ich den idealen Standort gesucht und nun gefunden“, lächelt Gunter Wakulat. Entspannt und freundlich ist das Motto der mobilen Espressobar mit Walk-in-Fenster. Der Hawaii-Touch samt Hemd und Bohnen gehört zur Corporate Identity, genau wie Merchandising-Produkte. „Wir bieten guten Service und beste Qualität zu annehmbaren Preisen. Nur unser Exot, ein frisch aufgebrühter Kona-Kaffee im Glasbecher mit Logo, ist wohl mit seinen 12 Euro 50 der teuerste Take-away-Kaffee in Deutschland“ – so der Kleinunternehmer. Der Erfolg des Gesamtpakets scheint aufzugehen. In Kürze werden zwei Franchise-Unternehmen am Stadtrand eröffnen.
Ein Kunde, der sich in jedem Fall darüber freuen wird, ist Achim Lehmann, Bauingenieur aus Falkensee. Täglich fährt er mit seinem Auto bis nach Mitte zu diversen Baustellen. „Morgens habe ich meistens nicht viel Zeit, um mir noch vor einem Bäcker oder einem Café einen Parkplatz zu suchen. Früher bin ich dann oft auf die Tankstelle gefahren, eine ziemlich teure Angelegenheit. Seitdem es so viele Drive-in-Shops gibt, in denen ich nicht nur schnell, sondern auch günstig leckere Snacks und meinen Kaffee bekomme, erspare ich mir eine Menge Stress. Allerdings muss man genau wissen, was man will, lange schauen und überlegen geht nicht.“ Auch bei den Filialen von „Bakers Drive“, der Marke der Berliner Brezel GmbH, nicht. Traditionelles Backhandwerk, und neuer Zeitgeist, treffen hier seit rund vier Jahren aufeinander. Franchise-Unternehmen wie Erntebrot oder Heberer sind bereits an vier Berliner Standorten zu finden: in der Konstanzer Straße, an der Steglitzer Goerzallee, Reinickendorf und Adlershof. Demnächst kommt noch eine Filiale in Eiche bei Berlin dazu. Die erste in Brandenburg. Die Kriterien, die alle Standorte erfüllen, sind die Hauptstraßen-Lage, ein Einzugsgebiet mit ca. 100.000 Einwohnern und ein tägliches Verkehrsaufkommen von 20.000 Autos. Für weitere Standorte sei man offen, erklärt der Geschäftsführer von „Bakers Drive“ Dirk Peschke. „Wir können gemeinsam mit interessierten Bäckereien ein neues Kundenfeld erschließen. Wer also Ideen und Konzepte hat, ist herzlich willkommen.“
Im anderen Sinne willkommen und gut beraten, ohne aus dem Auto auszusteigen, ist man in Buch. Vor rund anderthalb Jahren hat Apotheker Gunnar Fötsch auf die mobile Kundschaft gesetzt. Als das neue Einkaufszentrum an der Walter-Friedrich-Straße gebaut wurde, zog die „Ginkgo“-Apotheke an den jetzigen Standort neben der Tiefgarageneinfahrt und installierte ein Drive-in-Fenster. „Zurzeit kommen zwischen fünf und vierzig Kunden pro Tag. Viele Mütter mit kranken Kindern sind dabei. Wir wollen nicht zur Faulheit erziehen, sondern besonderen Service in besonderen Situationen anbieten“, erklärt Gunnar Fötsch seine Motive. Zum guten Service gehört jetzt auch ein Kommissionierautomat, der die Medikamente direkt per Band ins Lager und bei Nachfrage zum Kunden bringt. Alles in allem eine große Investition, die sich aber in ca. zehn Jahren amortisiert haben soll.
Eine Investition im Sinne der Kundenfreundlichkeit hat bereits vor fast fünf Jahren Hornbach mit der Eröffnung eines Drive-in-Baumarkts an der Neuköllner Gradestraße getätigt. 8.000 Quadratmeter Shoppingfläche warten auf Do-it-Yourselfler. Haushohe Regale voller Paneele oder Zementsäcke, die von einem Gabelstapler direkt ins Auto geladen werden. Es gibt eine Stand- und eine Fahrspur, auf der die Straßenverkehrsordnung gilt. Bezahlt wird an den Kassenhäuschen, nochmals kontrolliert bei der Ausfahrt. „In der Gradestraße hatten wir in Berlin endlich den geeigneten Standort, diese Geschäftsidee zu realisieren. Hornbach ist ein altes Familienunternehmen mit gutem Service. Durch das Drive-In-Baustoffzentrum ist ein schneller und bequemer Abverkauf möglich. Eine Zeitersparnis, die vor allem Profikunden, die gleich in den LKW einladen können, begrüßen“, sagt Konzernsprecherin Dr. Ursula Dauth. Im gesamten Bundesgebiet gebe es schon zahlreiche Drive-in-Baumärkte. In Berlin-Brandenburg sei dieser bisher zwei.
Eine Frage der Zeit, mutmaßt der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg Nils Busch-Petersen. „Die Drive-in-Shops sind eine interessante Marktergänzung, die gut angenommen wird. In der Region werden bald noch mehr Unternehmen den Bedürfnissen ihrer Kunden, nämlich das Auto nicht gegen öffentliche Verkehrsmittel einzutauschen, nachkommen und originelle Geschäftsideen entwickeln und sie an Standorten realisieren, die nur darauf warten, wachgeküsst zu werden.“
Wer sich über Drive-in-Shops informieren möchte:
Handelsverband Berlin-Brandenburg, www.hbb-ev.de, Tel. 030 8817738
Öffnungszeiten, genaue Adressen, neue Standorte oder Merchandising-Produkte:
www.cahoona-coffee.de
www.bakersdrive.de oder BM Brezel GmbH, Tel. 030 65763460
www.ginkgo-apotheke-berlin.de, Tel. 030 94113322
Hornbach Neukölln, Tel. 030 629879-0
Ausgabe Dezember 2011 /
Januar 2012
- 24 kulinarische Überraschungen im Online-Adventskalender der TMB gewinnen
- „Auf die nächsten 120!“ Schuhfilialist Leiser feiert Firmenjubiläum
- BER eröffnet am 03. Juni 2012
- Cluboffice verändert die Arbeits- und Meetingkultur
- Dieter Hütte
- Drei Innovationspreise 2011 verliehen
- Drohender Rohstoffmangel
- Erwartungen an die neue Wirtschaftssenatorin
- Familienunternehmen bieten bessere Work-Life-Balance
- GASAG–Bio10
- Ideen muss man haben ...
- Innovationspreis des Berliner Sports
- Kunst und Technik gehen in Berlin Hand in Hand
- Members only
- Mittelstands-Newsticker
- Neujahrsempfänge wichtiger Wirtschaftsverbände in Berlin-Brandenburg
- Profitable Zauberformel Symbiose
- Volvo Trucks schafft Arbeitsplätze in Wildau
- Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung
