In den Zehner-Jahren wird alles besser
Gediegene Kaffeetafel statt Latte im Pappbecher
Neues Jahrzehnt, neues Glück? Auf jeden Fall klingt „Zehner“ bedeutend besser als „Nuller“ oder womöglich „Null-Nuller“. Was sich in zehn Jahren so tun kann, das hat die Kölnerin Judith-Maria Gillies (42) in ihrem Buch „Unsere Nullerjahre“ für die zurückliegenden zehn Jahre gesammelt.
Martina Conradt sprach mit der Wirtschaftsjournalistin über das Jahrzehnt der Bagels, Blogs und Billigflieger und fragte zunächst nach den fünf wichtigsten Entwicklungen.
Judith-Maria Gillies: Vier reichen eigentlich, um unseren Lebensstil zu charakterisieren: Jahrzehnt to go, Körperkult, Wellness, Web 2.0. Wir waren immer auf dem Sprung und unterwegs – im Job und privat. Am spannendsten waren mit Sicherheit die technischen Entwicklungen. Uns stand ein ganz neues Kommunikationsuniversum offen. Wir konnten bloggen und podcasten, simsen und chatten, skypen und youtuben. Per Hotspots, iPhone oder Blackberry hatten Geschäftsleute plötzlich ein Office to go. Per Facebook oder Myspace konnten wir uns mit der ganzen Welt verlinken. Außerdem ganz wichtig sind Coffeeshops, Latte macchiato und Castingshows. Und natürlich ‚Sex and the City‘! Wer sich die Serie anschaut, weiß, wie die Trendgemeinde in diesem Jahrzehnt getickt hat. Ähnlich wie bei ‚Miami Vice‘ in den 80ern.
Welche Trends werden verschwinden? Welche werden bleiben?
Gillies: Ich bin genauso gespannt wie Sie. Meine Prognose: Alles was ‚green‘ ist, also umweltfreundlich und klimaneutral, bleibt in. Das Konzept ‚Wellness‘ scheint mir dagegen ziemlich ausgereizt zu sein. Ansonsten vermute ich, dass ‚to stay‘ das neue ‚to go‘ wird. Gemütlich irgendwo mit Freunden zu sitzen und sich bedienen zu lassen, statt immer nur herumrennen zu müssen, das ist doch ziemlich verlockend, oder?
Ausgabe Dezember 2011 /
Januar 2012
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