Ideen muss man haben ...

Ideen muss man haben ...

Text: Martina Reckermann

Vor rund 134 Jahren wurde das erste Patent angemeldet. Seitdem sind viele neue Erfindungen gemacht worden, einige wichtige wie der Computer oder die Straßenbahn, andere skurrile wie die Schallplatte aus Schokolade oder Rührei. Viele der Ideen aus Berlin und Brandenburg haben ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Die Hauptstadt war einst die Erfinder-Metropole. Mittlerweile haben zwar die Baden-Württemberger die Nase vorn, aber trotzdem sind die klugen Köpfe in der Region in den vergangenen Jahren nicht untätig gewesen.

Von der Autoakustik zum Klangerlebnis – eine nicht alltägliche Entwicklung, aber für Inès Adler auf jeden Fall eine erfolgreiche. In diesem Jahr ist die Erfinderin von innovativen Lautsprecherboxen BACB – Unternehmenspreisträgerin des Business Clubs Berlin 2011 geworden. Die Berlinerin studierte Maschinenbau, Fachrichtung Kraft- und Arbeitsmaschinen sowie Akustik. Mit ihrem Diplom in der Tasche arbeitete die Ingenieurin 16 Jahre lang bei der Mercedes-Benz AG in der Motoren- und Elektronikentwicklung. Als Projektleiterin für Abgasreinigungssysteme führte sie die ersten deutschen serienmäßigen Rußfiltersysteme für Dieselmotoren ein. Im Bereich Motorsteuerungen, Chemie, Motor-akustik und Abgasnachbehandlung erarbeitete die Berlinerin 14 Patente. In jedem aktuell verkauften Mercedes mit Dieselmotor steckt also ein Teil ihrer Arbeit. So weit, so erfolgreich. Aber wie kommt Inès Adler nun dazu, Lautsprecher zu erfinden? „Die Entwicklungsabteilung bei Mercedes-Benz wurde damals aufgelöst, und mir wurde eine Viertel Million Euro angeboten. Wann bekommt man schon mal wieder so viel Geld angeboten, um seinen Traum zu verwirklichen, dachte ich mir und gründete 2006 meine eigene Firma VOXATIV mit fünf Mitarbeitern in der Nollendorfstraße. Was ich dort machen wollte, wusste ich schon viele Jahre lang, nämlich schöne Lautsprecher zu entwickeln, die einen ebensolchen Klang haben. Musik war schon immer meine Leidenschaft, nur kann ich keine Noten, also sind Lautsprecher sozusagen meine Musikinstrumente“, erzählt Inès Adler. Zwei Jahre Forschung und Entwicklung brachten den Treiber „VOXATIV AC 3X“ hervor, der auch jetzt in Berlin gefertigt wird. Konstruktion und Fabrikation der Luxus-Lautsprecher mit dem Produktnamen „Ampeggio“ sind die Aufgabe der Braunschweiger Klaviermanufaktur Schimmel, die mit VOXATIV zusammenarbeitet. Der besondere „Konzertflügel im Lautsprecher“ – Effekt ist ein Zusammenspiel hochwertiger Materialien und physikalischer Innovation, Optik und Verarbeitung, die allerdings auch ihren Preis hat: Der kleinste Lautsprecher kostet 20.000 der größte 80.000 Euro. „Der Verkauf läuft hauptsächlich über persönlichen Kontakt. Das ist natürlich viel Arbeit, aber wer Erfolg haben will, muss das in Kauf nehmen, mir macht es zudem auch Spaß. Unsere Absätze in der Schweiz, den USA und Asien sind sehr zufriedenstellend. Nur in Deutschland könnte er noch besser werden“, lächelt Inès Adler.

Kleinste Teilchen sichtbar

Auf internationalen Erfolg kann auch die Berliner Firma JPK Instruments AG verweisen. Seit zwölf Jahren hat sie sich der Nanotechnologie verschrieben und gilt als führender Hersteller von Nanoanalytik-Instrumenten, die einen bisher nicht dagewesenen Zugang auf Nanotechnologie-Ebene ermöglichen. Die von der JPK GmbH entwickelten rasterkraftmikroskopischen Systeme und optischen Pinzetten werden von den renommiertesten Forschungsinstituten auf Gebieten wie der Physik, Nanooptik, Oberflächenchemie sowie der Zell- und Molekularbiologie eingesetzt. Der Durchbruch des Treptower Unternehmens kam mit der Erfindung des „Atomic Force Microscopy“. 2002 haben die Firmengründer ein Rasterkraftmikroskop entwickelt, mit dem man Atome in höchster Auflösung sehen kann. Vorangegangen waren Forschungen, denen die Firmengründer schon während ihrer Studienzeit nachgegangen waren. „Wir haben alle zur selben Zeit Abi gemacht, Physik bzw. BWL studiert und in einer WG gewohnt. Noch vor unserer Diplomarbeit haben wir Messinstrumente für die Nanotechnologie entwickelt. Zu dritt haben wir dann unsere jetzige Firma gegründet, ein Freund kam später noch mit hinein ins Führungsteam, das durch die Kombination Wissenschaftler und Wirtschaftler genau das richtige Know-how für ein erfolgreiches Unternehmen hat“, erklärt der „Buchstabe K“ aus dem Firmennamen JPK, Jörn Kamps. Sie hätten von Anfang an, die Vision gehabt, eines der größten Nano-Unternehmen zu werden – so der Firmengründer weiter – und erklärt ihr Erfolgsrezept: „Man muss sich eine wachsende Branche mit einer Nische suchen, in der man allerdings nicht zu breitbandig agieren sollte.“ Für sie sei die Nano-Technologie das interessanteste Thema überhaupt, weil es darum geht, Instrumente zu entwickeln, die Untersuchungen an organischen bzw. lebenden Objekten verbessern können wie beispielsweise mit der jüngsten ihrer Erfindungen, der Nano-Pinzette, bei der ein Laserstrahl kleinste Partikel festhält, die 10.000 mal kleiner sind als der Durchmesser eines Haares. Für ihre zahlreichen Erfindungen erhielt die JPK Instruments AG, bei der Forschung, Entwicklung, Fertigung und Vertrieb in der Firmenzentrale an der Treptower Bouchéstraße vereint sind, bereits mehrere Innovations- und Gründerpreise.

TV-Monitoring made aus Potsdam

Einen Fernseh-Service der besonderen Art bietet Dr. Ulrich Hienzsch mit seiner Firma AdSolute GmbH an. Ein automatisches TV-Erkennungssystem registriert bei der Firma im fx-Center an der Potsdamer August-Bebel-Straße alle Schaltungen und zeigt tagesaktuell die neuesten Kreationen. Damit filtert das System aus den Videoströmen die Bild-Erbinformationen, die genauso einmalig wie die menschliche DNA sind. „Bei uns bzw. auf unserer Homepage www.adsolute.com haben wir alle TV- und Werbespots in unserem TV-Register aufgeführt. Inklusive Video und Storyline per Mausklick. Das nennen wir „AdSolute easy“. Bei „AdSolute praktisch“ können nicht nur die Originalspots, sondern auch die Verbindungen eines Produkts mit einer Händlerwerbung gesucht werden, wie z. B. Persil und Schlecker“, erklärt Firmenchef Dr. Ulrich Hienzsch. Das System können die User in einer kostenfreien Testphase kennenlernen, als Kunden werden sie mit einer Flatrate versorgt – so der Erfinder dieses „High-End Recognition Systems“ weiter. Angefangen hat der freie Medienwissenschaftler 1990 mit der Entwicklung der Grundversion seines PC-gestützten TV-Erkennungssystems. Mit der Patentnummer DE 42 08 932 hat dieses System dann besonders Filmproduzenten, Mediaexperten, Produktmanager sowie Marketingleute angesprochen. Mittlerweile ist das TV-Monitoring von AdSolute weit über die Grenzen Potsdams bekannt. „Weltweit beobachten die Hienzsch-Systeme mittlerweile rund 600 TV-Kanäle und registrieren ca. zwei Spot-Ausstrahlungen pro Sekunde. Die Fehlerrate ist geringer als die von hochgenauen elektronischen Messinstrumenten“, erläutert Dr. Ulrich Hienzsch.

 


 


Die wichtigsten Erfindungen aus Berlin und Brandenburg


Litfaßsäule: Ernst-Theodor Litfaß störte sich am wilden Plakatieren und erfand deshalb eine Säule, auf der Informationen angebracht werden konnten. 1855 wurde die erste errichtet, heute gibt es rund 67.000.

„Café Achteck“: Stadtbaurat Carl Theodor Rhospott hatte die Idee, öffentliche Bedürfnisanstalten an wichtigen Orten Berlins zu platzieren. Sie waren aus Metall und grün lackiert und hatten die Form eines Achtecks. 1878 wurde das erste „Café Achteck“ gebaut; 1920 gab es schon 142 Pissoirs der besonderen Art.

Straßenbahn: 1881 fuhr die erste Straßenbahn im Probebetrieb in Lichterfelde, zwei Jahre später schon regelmäßig, 1920 umfasste das Streckennetz 600 Kilometer

Elektrische Lokomotive: Technik-Pionier Werner von Siemens erfand neben der ersten elektrischen Straßenbeleuchtung, dem Aufzug und dem Überleitungsbus auch mal kurz die elektrische praxistaugliche Lokomotive, die er 1879 auf der Gewerbeausstellung vorführte.

Reißzwecke: 1902 erfand der Uhrmacher Johann Kirsten eine Art Nagel mit Metallplättchen, damit man sich nicht immer die Finger zerstach. Die Idee zu dieser Reißzwecke verkaufte er für ein bisschen Geld an den Kurzwarenfabrikanten Otto Lindstedt , der meldete ein Patent darauf an und wurde mit den „Heftzwecken“ zum Millionär, Johann Kirsten bekam nichts davon.

Thermoskanne: In Glashütte-Baruth experimentierte der Glasinstrumentenbauer Reinhold Burger mit verschiedenen Glaskörpern und erfand dabei 1903 die Thermoskanne.

Taschenlampe: Paul Schmidt entwickelte zu Beginn der Jahrhundertwende die Trockenbatterie und meldete 1906 ein Patent mit dem Markennamen „Daimon“ an. Als Taschenlampe eroberte seine Erfindung die Welt.

Kondom: 1912 erfand Julius Fromm in seiner Werkstatt in Prenzlauer Berg das erste nahtlose Gummikondom. Wegen seines Nachnamens wurde das Kondom viele Jahre „Frommser“ genannt.

Fernseher: Manfred von Ardenne bastelte in seiner Werkstatt in Lichterfelde und entwickelte dabei den Fernseher. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin im Jahre 1931 zeigte er erstmals seinen vollelektronischen Fernseher. Im selben Jahr zierte er die Titelseite der New York Times.

Computer: Der „Vater des Computers“ wird Konrad Zuse genannt. Er entwickelte 1938 in der Methfesselstraße den ersten mechanischen Rechner „Z1“, später den ersten „PCZ22“ mit Magnetstreifen.

Ampelmännchen: 1961 erfand der Verkehrspsychologe Karl Peglau das ostdeutsche Ampelmännchen. Nach der Wiedervereinigung schaffte es das Ostmännchen, sich gegen das Westmännchen durchzusetzen und bekam sogar ein Ampelfrauchen.

Mengenlehreuhr: Am 17.07.1975 wurde die erste Uhr der Welt aufgestellt, die die Zeit mit leuchtenden Feldern anzeigt. Der sieben Meter hohe Zeitmesser am Kurfürstendamm/Ecke Uhlandstraße bekam sogar einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. 1995 wurde sie abgeschaltet, da sie wartungsintensiv und teuer im Unterhalt war. Durch eine Initiative Berliner Geschäftsleute fand sie einen neuen Platz vor der Touristen-Information am Europa-Center.